Berichte

Westernreiten liegt voll im Trend - Zu Besuch auf der Cattlemans Ranch.

Samstag, 01 August 2009 | Geschrieben von Suzi Kleemann

Wer mit dem Fahrrad unterwegs nach Kolkwitz  ist und glückliche Pferde sehen und dabei etwas über den  Westernreitsport erfahren will, sollte einen Stopp in Wiesendorf bei  Krieschow einlegen. Hier im Forsthausweg auf der Cattlemans Ranch leben  etwa 25 Quarter Horses, die schnellsten Pferde der Welt, zusammen mit  zehn Rindern auf einer 50 Hektar großen Fläche mitten in den Wiesen und  Wäldern hinter Krieschow.

Lausitzer Rundschau 2009Mit dem Lasso in der einen und die Zügel in der anderen Hand, mit Sporen an den Stiefeln und mit einem der schnellsten Pferde unter dem Po durch die Prärie reiten, das wünschen sich viele Möchte-gern-Cowboys. Bernd Stamm aus Wiesendorf hat sich diesen Kindertraum erfüllt. Als er neun  Jahren alt war, hatte er das erste Mal Kontakt zu Pferden. Seitdem ließen sie ihn nicht mehr los.

Bernd Stamm trägt einen Cowboyhut. Sein Hund Meggy begleitet ihn, als er aus seinem Holzhaus kommt und sich erst einmal ein paar Socken  anzieht. Danach zündet er sich eine Zigarette an und schlürft seinen  Kaffee. Auf seiner 50 Hektar großen Cattlemans Ranch lebt Stamm den American way of Life.

Bernd Stamm kennt sich sehr gut aus mit Pferdestärken. So habe er  sich damals entschlossen, seinen Job als Autoverkäufer sausen zu lassen, als er im Jahr 1993 wegen seiner großen Liebe in die Lausitz kam. Die  ersten Pferde habe ich aus den USA einfliegen lassen, sagt der  45-jährige ehemalige Hesse. Inzwischen ist Stamm mit seiner Ranch  Mitglied in der DQHA (Deutsche Quarter Horse Association). Er fühle sich in Wiesendorf zu Hause, sagt Stamm.

Die Rasse der American Quarter Horses (Viertel-Meilen-Pferde) hat es  ihm besonders angetan. Dieses Pferd sei so muskelbepackt und stark und  doch so elegant und vielseitig. €žDie mussten früher in Amerika alles  können: Unter der Woche den Acker pflügen, samstags Turniere reiten und  sonntags die Familie zur Kirche kutschieren. Diese Pferde sind  ausdauernd, robust, kräftig und dabei willig, fügsam und nervenstark,  sagt er. Stolz zeigt Stamm auf die Weide links von der Ranch, wo die  Stuten mit ihren Fohlen stehen. žIch halte sie nach Geschlechtern  getrennt. Die Hengste und Wallache stehen drüben auf der anderen Seite. Mit den Pferden sei es ja wie mit den Menschen. Die Mädels halten die  Sippe zusammen, passen gegenseitig auf sich auf und erziehen die Nachkommen gemeinsam. Die Männer machen gar nichts oder sie fangen aus  heiterem Himmel an zu raufen. Nach zehn Minuten stehen sie dann aber  wieder friedlich nebeneinander und fressen gemütlich Gras, als wäre  nichts geschehen, sagt Stamm.

Etwa 50 Meter entfernt vom Haupthaus mit dem angrenzenden  Stallgebäude steht ein weiteres kleineres Holzhaus. Es ist gemütlich im Westernstil hergerichtet - mit Bildern, Urkunden und Trophähen an den  Wänden, einem kleinen Tresen, Holzbänken und Tischen. Dort sitzt Stamm  öfter mit seinen Reitfreunden und Vereinsmitgliedern oder mit  Pferdebesitzern, die ihr Tier auf der Cattlemans Ranch stehen haben.  Wir machen auch gemeinsame Ausflüge. Neulich sind wir von Pirna aus  über die Grenze nach Tschechien geritten und waren drei Tage unterwegs, erzählt Stamm. Seine Augen funkeln dabei.

Stamm kooperiert mit zwei Cottbuser Kinderheimen. €žJe nach Bedarf  werden die Kinder, die aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen, zu  uns auf die Ranch gebracht, um im Kontakt zu den Tieren mehr über  soziale Umgangsweisen zu erfahren. Auch der Aufenthalt in der freien  Natur täte ihnen sehr gut. Momentan hat Bernd Stamm zwei Jungs aus  Berlin bei sich zu Gast. Auch sie kommen aus zerrütteten familiären  Verhältnissen und fühlen sich hier draussen wohl. €žDas schönste ist, wenn ich hier Trecker fahren darf, sagt Christian Stockenberg (13).

Reiten können Kinder hier ab 12 Jahren und alle, die daran Interesse haben, sagt Stamm. Wer mehr über den Westernreitsport erfahren möchte und ganz nebenbei eine schöne Fahrradtour mit Pausenstopp an der  Cattlemans Ranch machen möchte, sollte sich vorab telefonisch mit ihm in Verbindung setzen und einen Termin für eine Besichtigung der Ranch und  ein Probetraining machen. Stamm ist zertifizierter professioneller  Horseman. Zu seiner ersten Regel gehört der ehrenhafte Umgang mit Pferd  und Mensch. Für Verpflegung vor Ort ist nicht gesorgt, aber ein  überdachter Platz zum Rasten und Picknicken steht zur Verfügung.

Fazit

  • Kosten: Der Ausflug kostet gar nichts außer Muskelkraft. Verpflegung muss selbst mitgebracht werden. Ein Trinkgeld wäre nett.
  • Zeitaufwand: Eine Besichtigung der Ranch dauert  etwa eine Stunde zuzüglich eine Stunde Probereiten. Kosten und Termin  vorab mit Bernd Stamm telefonisch abklären.
  • Anfahrt: Mit dem Fahrrad auf dem Radfernweg dauert  die Tour von Cottbus nach Wiesendorf etwa 40 Minuten und umfasst rund 15 Kilometer. Der Euro-Radfernweg beginnt im Bautzener Land und fährt über Spremberg nach Kolkwitz zur Koselmühle. Mit dem Auto in Richtung  Vetschau kurz vor Eichow links nach Krieschow abbiegen, dort der  Beschilderung folgen oder aus Berlin kommend auf der A 115 die Abfahrt  Vetschau nehmen, Richtung Cottbus, hinter Eichow rechts nach Krieschow  abbiegen und dort der Beschilderung folgen.
  • Kinderfreundlichkeit: Reiten dürfen die Kinder hier erst ab 12 Jahren. Es ist aber enorm viel Platz zum Stöbern, Laufen und Spielen auch für Kleinere.

         Ein Bericht aus der Lausitzer Rundschau 2009

 

[Bericht Lausitzer Rundschau]